Getriebebau Nord integriert Lager mittels matWMS in SAP

Getriebebau Nord ist weltweit einer der führenden Hersteller von mechanischer und elektronischer Antriebstechnik. Aufgrund der kontinuierlichen Expansion des Unternehmens wurde Anfang 2010 eine Verdoppelung der Lagerkapazitäten des Hochregallager für Bauteile und die gefertigten Antriebe am Firmensitz Bargteheide notwendig. Zeitgleich führte Getriebebau Nord außerdem das Lagerverwaltungssystem matWMS der sysmat GmbH ein, um über die neue Software eine vollständige Einbindung der Lagerbereiche in das Warenwirtschaftssystem SAP R/3 zu erreichen. Die Implementierung von matWMS und die Anbindung an SAP erfolgten innerhalb von nur zwei Wochen im laufenden Betrieb.

 

„Unternehmen sind in der Vergangenheit oft davor zurückgeschreckt, automatisierte Lagerbereiche vollständig in SAP zu integrieren, da dies bisher mit enormem Aufwand, langer Projektdauer und fast endlosen Testzeiten verbunden war“, berichtet Rainer Schulz. Bei Getriebebau Nord war dies anders, da das Lagerverwaltungssystem matWMS über konfigurierbare Schnittstellen zu SAP-WM verfügt und die vollständige Integration der Lagerprozesse in das Warenwirtschaftssystem innerhalb weniger Arbeitstage erfolgen konnte. „Gewährleisten konnten wir die äußerst kurze Inbetriebnahmezeit bei Getriebebau Nord aufgrund intensiver Systemtests mit unserer Anlagensimulation matSIMU, die wir vorab beim Kunden durchgeführt haben“, berichtet Rainer Schulz. Das Lager wurde als Lagertyp in SAP abgebildet und matWMS übernimmt die komplette Steuerung der automatisierten Lagerbereiche von Getriebebau Nord, die Rückmeldungen an SAP erfolgen unabhängig von Umfang und Strukturierung des Lagers. Darüber hinaus nutzt Getriebebau Nord zahlreiche Zusatzfunktionen der neuen Software, um die Abläufe im automatisierten Lager zu optimieren.

 

Optimierte Prozesse

 „Im Hinblick auf das Lagerverwaltungssystem gab es bei uns einige spezielle Anforderungen an die Software: Wir wollten möglichst mehrere Aufträge zeitgleich kommissionieren, um beispielsweise den Versand und die Produktion parallel zu versorgen. Unabhängig davon sollten definierte Eilaufträge mit höchster Priorität separat ausgelagert werden können“, erläutert Herr Küchenmeister. Die Experten von sysmat setzten diese Anforderungen durch die Einrichtung verschiedener „Materialanforderer“ im Lagerverwaltungssystem um. matWMS ermöglicht so das parallele Auslagern aus manuellen und automatisierten Bereichen in SAP-WM durch zeitgleiche Warentransporte in unterschiedlichen Lagerbereichen. Auch das Ansteuern mehrerer Zielbahnhöfe über eine Abladestelle ist möglich. So spart Getriebebau Nord Zeit bei der Kommissionierung und steigert den Durchsatz. Die Express-Aufträge werden vom matWMS vorrangig verarbeitet und die gewünschten Artikel an ein im System definiertes Ziel im Warenausgang gesteuert. „Eine hohe Zeitersparnis bringt uns außerdem die Negativkommissionierung, die mit matWMS möglich ist“, berichtet Herr Küchenmeister. Die Negativkommissionierung kommt immer dann zum Einsatz, wenn der größte Teil des Artikels eines Ladungsträgers kommissioniert werden soll. Sind beispielsweise 20 von 23 Bauteilen aus einer Gitterbox zu entnehmen, kann der Mitarbeiter statt dessen drei Bauteile zu entnehmen und auf einem anderen Ladungsträger wieder einzulager. Der ursprüngliche Ladungsträger, der nun nur noch die geforderte Menge (20 Stück) beinhaltet, wird von matWMS zur zugehörigen Vollauslagerstrecke ausgeschleust.

Darüber hinaus nutzt Getriebebau Nord weitere Strategien und Funktionen in matWMS, um automatisierte Lagerprozesse möglichst effizient zu steuern. Der Wareneingang kann beispielsweise direkt über die Erfassung der HU-Nummern (Barcode des Lademittels) erfolgen. Alle Artikel des Lademittels werden auf diese Weise zeitsparend mit nur einem Scan gebucht. Ein weiteres Beispiel ist die Fixplatzversorgung: Bei der Belegung von Fixplätzen im Lager wird das erste Quant nach dem Prinzip „First in first out“ ausgelagert. „Die Kommunikation zwischen matWMS und SAP erfolgt übrigens über SAP-Standard-IDocs, zusätzliche Inhalte in den SAP-IDocs werden über Userexits angereichert. So entsteht kein zusätzlicher Aufwand bei Releasewechseln und Diagnosemöglichkeiten wie der SAP-IDoc-Monitor sind vollumfänglich nutzbar“, berichtet Rainer Schulz. matWMS ermöglicht dem SAP-System einen Bestandsabgleich jederzeit und im laufenden Betrieb. Dies bildet die Grundlage für eine Bestandsführung in Echtzeit und damit eine optimale Bestandssicherheit. „Zusätzliche Sicherheit gibt uns die umfangreiche Visualisierung, die Bestandteil der Anwendung ist. Durch die grafische Aufbereitung der Vorgänge im Lager können wir Engpässe oder Störungen im Materialfluss auf einen Blick erkennen und haben eine solide Grundlage für die Analyse der Lagerprozesse“, erläutert Herr Küchenmeister.

 

Lagererweiterung mit matCONTROL

Über die Einführung der neuen Lagerverwaltung hinaus beinhaltete die Lagererweiterung bei Getriebebau Nord außerdem die Anbindung von Lager- und Fördertechnikkomponenten unterschiedlicher Hersteller und das erst fünf Jahre alte Automatiklager. Getriebebau Nord setzte hierbei auf die Materialflussrechner-Software matCONTROL als zentrale Steuerung. In dem fünfgassigen Hochregallager in Bargteheide waren bis zur Erweiterung drei kurvengängige Regalbediengeräte (RBG) im Einsatz. Zusätzlich kamen 5 Gassen mit drei kurvengängigen Regalbediengeräten und eine umfangreiche Fördertechnik mit zehn Kommissionierplätzen, vier Vollauslagerstrecken, zwei Einlagerstrecken sowie acht Sorting Transfer Vehicle (STV) – Hochgeschwindigkeitsverfahrwagen auf einem Schienenkreis – neu hinzu. Die Betriebsfläche verdoppelte sich nahezu von 31.300 Quadratmetern auf 52.000 Quadratmeter. „Wie meist in solchen Fällen war die Materialflusssteuerung der Anlage nicht in der Lage, zusätzliche Komponenten von Fremdanbietern zu steuern. In der ersten Projektphase ging es deshalb zunächst darum, mit matCONTROL eine zentrale Steuerung für alle Komponenten zu schaffen“, erläutert Rainer Schulz.

 

Anbindung innerhalb von nur 5 Tagen

Die Integration der neuen Lager- und Fördertechnik erfolgte in gerade einmal fünf Tagen: Innerhalb der ersten beiden Tage wurden der STV-Loop und die Fördertechnik an matCONTROL angebunden. Am dritten Tag folgten die RBGs, am Tag darauf wurde die Steuerung der Anlage intensiv getestet. Am fünften Tag wurde dann das Lagerverwaltungssystem matWMS angebunden. In der darauffolgenden Woche erfolgten weitere Tests und Optimierungen der Prozesse sowie die vollständige Integration des Lagers in SAP. „Zu diesem Zeitpunkt waren sowohl die alten als auch die neuen Lagerbereiche bereits vollständig im System angelegt und konfiguriert. Die alten Bereiche wurden bis zur Fertigstellung der Umbauarbeiten lediglich gesperrt und konnten weiterhin mit dem bisherigen Lagerverwaltungssystem betrieben werden“, berichtet Rainer Schulz. Im nächsten Schritt lagerte Getriebebau Nord innerhalb von rund vier Wochen nach und nach alle im alten Lagerbereich bevorrateten Waren in den neuen Bereich um. Im neuen Bereich wurde nun also im Echtbetrieb gelagert und kommissioniert. Im alten Bereich wurde anschließend die alte Fördertechnik durch die neue ersetzt und der STV-Loop umgestellt, der ab diesem Zeitpunkt beide Lagerbereiche bediente. Innerhalb von nur einem Wochenende wurden bei Getriebebau Nord anschließend die beiden Lagerbereiche in ein zusammenhängendes Lager zusammengeführt. Die neue Anlage erreicht nun einen Durchsatz von 270 Gitterboxen mit einem Gewicht von bis zu 1,5 Tonnen pro Stunde. Getriebebau Nord ist so langfristig für eine weitere Expansion gerüstet. „Wir fühlten uns während des gesamten Projekts und insbesondere während der Inbetriebnahmen von der Firma sysmat sehr gut unterstützt. Die Materialflussrechner-Software matCONTROL ermöglichte es uns, die Lager- und Fördertechnik unserer Wahl in das Lager zu integrieren und so eine drastische Durchsatzsteigerung zu erzielen. Auch die Integration des Lagers in SAP hat uns spürbare Vorteile gebracht“, fasst Herr Küchenmeister zusammen.

 

Ergebnisse im Überblick

Durch die Implementierung der Materialflussrechner-Software matCONTROL und des Lagerverwaltungssystems matWMS der sysmat GmbH erzielt Getriebebau Nord folgende Vorteile:

  • matWMS sorgt für die vollständige Integration des Lagers in das Warenwirtschaftssystem SAP und gewährleistet darüber hinaus die Nutzung innovativer Kommissioniertechniken wie Negativkommissionierung.
  • Die Inbetriebnahme der restrukturierten Lagerbereiche erfolgte innerhalb weniger Wochen im laufenden Betrieb.
  • Der Durchsatz liegt heute bei 270 Gitterboxen pro Stunde, die jeweils ein Gewicht von bis zu 1,5 Tonnen vorweisen.
  • Der Wareneingang kann direkt über die Erfassung der HU-Nummern erfolgen. Alle Artikel des Lademittels werden mit nur einem Scan gebucht.
  • Die Kommunikation zwischen matWMS und SAP erfolgt über SAP-Standard-IDocs, es entsteht kein zusätzlicher Aufwand bei Releasewechseln und Diagnosemöglichkeiten wie der SAP-IDoc-Monitor sind vollumfänglich nutzbar.
  • Die vollständige Integration des Hochregallagers ermöglicht Getriebebau Nord eine Bestandsführung in Echtzeit und damit eine erhöhte Bestandssicherheit.
Rainer Schulz bei brainGuide
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